Nicht schon wieder Bienenkiller!

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Gerade erst haben wir für ein Verbot der Neonikotinoide gesorgt - da kommt neues Gift, das Bienen tötet. Der Chemie-Gigant Bayer-Monsanto will es auf den Markt bringen. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) können jetzt beweisen, dass sie Bienen-Freundinnen sind: Sie müssen die Zulassung der neuen Pestizide verweigern.
Unterzeichnen Sie jetzt den Appell!

Julia Klöckner (CDU), Bundeslandwirtschaftsministerin
Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin

Sehr geehrte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, sehr geehrte Bundesumweltministerin Svenja Schulze,

die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vereinbart, das Insektensterben umfassend zu bekämpfen. Daher bitten wir Sie als zuständige Ministerinnen: 

Genehmigen Sie keine Pestizidmischungen, die Sulfoxaflor, Cyantraniliprol oder Flupyradifuron enthalten. Erteilen Sie für diese auch keine Notfallzulassungen und stoppen Sie bestehende. Beenden Sie den Import und die Aussaat von Saatgut, das mit diesen Wirkstoffen gebeizt ist.

5-Minuten-Info Bienengift

Um welche Insektengifte geht es?

Beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) liegen Zulassungsanträge für Pestizidmischungen mit drei Wirkstoffen vor: 
  • Sulfoxaflor wurde vom US-Konzern Dow AgroSciences entwickelt. In Frankreich wurde die Zulassung von Pestizidmischungen mit dem Wirkstoff gerichtlich ausgesetzt - aufgrund einer Klage der Umweltorganisation  Générations Futures. Der Grund: Risiken für die menschliche Gesundheit und die Gesundheit der Honigbienen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht bei bestimmten Anwendungen ein hohes Risiko für Honigbienen. Außerdem bestehe ein hohes Risiko für kleine, pflanzenfressende Säugetiere, wenn Sulfoxaflor langfristig eingesetzt würde. Das Insektengift wirkt ähnlich wie die verbotenen Neonikotinode. In Deutschland wurden mindestens drei Zulassungsanträge für Pestizidmischungen mit dem Wirkstoff gestellt.
  • Cyantraniliprol kommt aus dem Hause DuPont. Der Chemiekonzern fusionierte inzwischen mit Dow AgroSciences. Obwohl in Deutschland noch kein Pestizid das nationale Zulassungsverfahren durchlaufen hat, wird das Insektengift bereits ausgebracht. Möglich machen das sogenannte “Notfallzulassungen”. Außerdem wir bereits mit mit Cyantraniliprol behandeltes Saatgut aus EU-Staaten importiert - für Saatgut gelten nämlich andere Regeln. Cyantraniliprol hat eine hohe Bienentoxitität und wirkt ähnlich wie die verbotenen Neonikotinoide. Es liegen mindestens sieben Anträge in Deutschland für Pestizidcocktails mit dem Giftstoff vor.
  • Flupyradifuron vom neuen Agrargiganten Bayer-Monsanto hat ebenfalls einen sehr ähnlichen Wirkmechanismus wie die verbotenen Neonikotinoide. Das Insektengift ist bisher in keinem EU-Mitgliedsland zugelassen. In der Bundesrepublik liegen mindestens fünf Zulassungsanträge für Pestizidmischungen mit diesem Wirkstoff vor. Sie sollen unter Markennamen wie Sivanto vermarktet werden.
Die Insektengifte sollen Gemüse und Getreide vor „schädlichen“ Insekten schützen, töten jedoch auch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Warum sind die Pestizide so gefährlich?

Die neuen Bienengifte wirken schon  in geringen Mengen für Bienen tödlich. Im europäischen Genehmigungsverfahren für Pestizid-Wirkstoffe wird die für Honigbienen tödliche Dosis standardmäßig ermittelt und veröffentlicht. Maßgeblich ist hier der Wert “LD50”. LD steht für letale Dosis. LD50 ist die Dosis, ab der in einem Fütterungsversuch die Hälfte aller untersuchten Bienen stirbt. Je niedriger dieser Wert ist, desto giftiger ist eine Substanz. 

Hier die LD50-Werte für die drei Neonicotinoide, die im April in der EU verboten wurden sowie die Werte der drei neuen Insektengifte. Zum Vergleich auch der WErt für das bereits seit den 1970er-Jahren verbotene DDT.

Wirkstoff                   LD50 in Nanogramm
                                            pro Biene

Imidacloprid                          3,7
Thiamethoxam                      5
Clothianidin                           3,8
Sulfoxaflor                            146
Cyantraniliprol                      400
Flupyradifuron                    1200
DDT                                     27000
Quelle: Umweltinstut München e.V.

Die drei neuen Pestizide sind demnach zwar deutlich weniger giftig als die verbotenen Neonicotinoide. Aber dennoch sind sie schon in extrem geringen Dosen tödlich für Bienen. Ein Teelöffel mit nur fünf Gramm Cyantranilliproll enthält die LD50-Dosis für 12,5 Millionen Bienen!

Besonders gefährlich ist auch, dass die Mittel systemisch wirken, da sich die Pestizide in allen Bereichen der Pflanze ablagern. Stängel, Blätter, Blüten-  alles wird für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln giftig. Es reicht sogar aus, wenn nur das Saatgut der Pflanze mit den Insektenvernichtern behandelt wurde. Das Gift kann dabei nicht unterscheiden, was für die Pflanze Schädling ist und was nicht - dabei sterben Schmetterlinge, Hummeln und Bienen. Das bringt unser Ökosystem in Gefahr.

Wie steht es um Insekten?

Studien zeigen, dass die Gesamtmasse der fliegenden Insekten allein in Deutschland innerhalb der vergangenen 27 Jahre um mehr als 75 Prozent geschrumpft ist. Die Pestizide, die auf unseren Äckern landen, haben daran einen großen Anteil. Besonders gefährlich sind die sogenannten Neonikotinoide. Für Bienen sind sie tödlich. Die EU hat daher Anfang 2018 komplett verboten. Mit Flupyradifuron, Sulfoxaflo und Cyantraniliprol versuchen Agrarkonzerne nun, Ersatzmittel für die Neonikotinoide auf den Markt zu bringen.

Was sind die Folgen des Bienensterbens?

Bienen produzieren nicht nur Honig, sie bestäuben auch 80 Prozent unserer Nutz- und Zierpflanzen. Damit sichern sie die Artenvielfalt und das Überleben von Bäumen, Büschen, Gräsern. Äpfel, Mandeln, Erdbeeren oder Kürbisse würden ohne Bienen nicht wachsen. Das bedroht nicht nur die Lebensmittelvielfalt, sondern auch die Existenz zahlreicher Landwirt/innen. Der wirtschaftliche Wert der Arbeit, die Bienen und andere Bestäuber leisten, wird allein in Europa auf mehr als 22 Milliarden Euro geschätzt. Wegen des Insektensterbens geht auch die Zahl der Vögel zurück. Das hat ein Wissenschaftler am Bundesamt für Naturschutz nachgewiesen.

Wie können Julia Klöckner (CDU) und Svenja Schulze (SPD) die Zulassung verhindern?

Die Pestizid-Wirkstoffe Flupyradifuron, Sulfoxaflor und Cyantraniliprol wurden von der EU-Lebensmittelbehörde EFSA genehmigt. Und das obwohl wichtige Daten zu den Auswirkungen auf Honigbienen und andere sogenannte “Nichtzielorganismen” fehlten.  Ob Pestizidmischungen mit den Wirkstoffen in Deutschland auf den Markt kommen dürfen, entscheidet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Das BVL ist der CDU-Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellt -  Julia Klöckner kann also Einfluss nehmen. Im Zulassungsverfahren wirkt unter anderem das Umweltbundesamt (UBA) mit. Letzteres ist Deutschlands zentrale Umweltbehörde, die eng mit SPD-Umweltministerin Svenja Schulze zusammenarbeitet.

Dank einer Klage unseres Kampagnenpartners Umweltinstitut München ist nun klar, dass schon drei Zulassungsanträge für unterschiedliche Pestizidmischungen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) liegen. Das BVL hatte sich zuvor geweigert, über die Anträge Auskunft zu geben. Man verwies auf das Geschäftsgeheimnis der Hersteller.

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