Boykottiert Bolsonaro

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Die Agrarlobby lässt den Amazonas-Regenwald niederbrennen - so gnadenlos wie seit zehn Jahren nicht mehr. Jetzt will Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro die Abholzung noch weiter anfachen und Landraub durch Großgrundbesitzer nachträglich legalisieren. Dagegen hilft nur wirtschaftlicher Druck: Supermärkte müssen die Produkte der Agrarlobby aus den Regalen verbannen. Die ersten Ketten drohen mit Boykott, doch Aldi Nord, Edeka und Lidl fehlen. Das wollen wir ändern.

Unterzeichnen Sie jetzt den Appell

Torsten Hufnagel, Verwaltungsratsvorsitzender Aldi Nord
Ignazio Paternò, Vorstandsvorsitzender Lidl Stiftung und Co. KG
Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender Edeka Zentrale AG & Co. KG

Der Amazonas-Regenwald brennt – mit fatalen Folgen für das Weltklima und die Artenvielfalt. Doch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro will die Vernichtung jetzt noch beschleunigen und Landraub durch Großgrundbesitzer per Gesetz nachträglich legalisieren. 

Alle großen britischen Supermarktketten sowie Rewe und Aldi Süd drohen Bolsonaro, keine Produkte aus Brasilien mehr zu verkaufen, falls das Gesetz in Kraft tritt. Schließen Sie sich diesem Aufruf an. Retten Sie die grüne Lunge der Erde!

5-Minuten-Info

Warum ist der Regenwald in Brasilien so bedroht?

Es gibt mehrere Motive für die Abholzung des Regenwalds. Großgrundbesitzer lassen zum einen besonders große alte Bäume schlagen, um sie für viel Geld zu verkaufen. Zum anderen roden sie – oft im Anschluss – große Flächen komplett durch Brände, um die Ausweitung von Viehzucht und Sojaanbau zu ermöglichen. Sojabohnen sind das größte Exportgut aus Brasilien. Zudem ist Brasilien der größte Exporteur von Rindfleisch weltweit.

Welche Rolle spielt der Regenwald für das Weltklima?

Der Regenwald kann riesige Mengen des Treibhausgases CO2 aufnehmen und Kohlenstoff in Pflanzen und Boden speichern. Gehen uns diese enormen Speicherfähigkeiten des Amazonas-Regenwalds verloren, lässt sich die Klimakrise endgültig nicht mehr abwenden. Der Amazonas-Regenwald gilt deshalb als Kippelement für das Weltklima: Ist erst ein gewisser Teil des Ökosystems zerstört, kann sich der Regenwald nicht mehr aus eigener Kraft regenerieren. Dadurch würde der Klimawandel unkontrollierbar beschleunigt. Die brasilianische Weltraumbehörde Inpe schätzt, dass bei einer Vernichtung von 20 bis 25 Prozent der Gesamtfläche der Wasserkreislauf versagt, der den Regenwald versorgt. Die grüne Lunge der Erde würde dann auch ohne weiteres Zutun des Menschen verschwinden. Bereits heute sind rund 17 Prozent verloren, eine ähnlich große Fläche gilt als geschädigt. 

Was steht in dem neuen Gesetz von Bolsonaro?

Mit einem neuen Gesetz – dem Erlass 910 – will Präsident Jair Bolsonaro die unrechtmäßige Besetzung und illegale Abholzung von Regenwald vor 2018 legalisieren. Das betrifft eine Fläche von 570.000 Quadratkilometern. Das ist größer als Spanien. Der brasilianische Kongress muss das Gesetz noch billigen. Die für den 20. Mai vorgesehene Abstimmung wurde nach internationalem Druck auf unbestimmte Zeit verschoben.

Welche Folgen hat Bolsonaros Präsidentschaft für den Regenwald?

Jair Bolsonaro hat seit Beginn seiner Amtszeit Anfang 2019 immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem wirtschaftlich nutzen will. Der Klimawandelleugner ermöglichte das Vordringen der mächtigen Agrarwirtschaft in das wald- und artenreiche Amazonasgebiet: Bolsonaro kürzt die Gelder der Umweltbehörde und der Umweltpolizei. Daher gibt es kaum noch Personal, das den Regenwald überwachen kann. Illegale Holzfäller*innen haben leichtes Spiel, den Wald zu zerstören. Das hat dramatische Folgen. Wie die staatliche Weltraumbehörde Inpe mitteilte, wurden 2019 knapp 9.166 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt – das entspricht der Fläche Zyperns. Im Jahr vor Bolsonaros Amtsantritt waren es nur 4.946 Quadratkilometer. Die Abholzung ist also um 85 Prozent gestiegen.

Wie wirkt sich das auf die Indigenen aus?

Der rechtsextreme Präsident Bolsonaro schert sich nicht um die Schutzgebiete der indigenen Völker. Er will sie für Bergbau und Viehzucht öffnen, um den Fleischpreis niedrig zu halten und die Wirtschaft zu stärken. Der Lebensraum der Indigenen wird immer kleiner.

Durch das Coronavirus kommt nun noch eine weitere Gefahr für die Indigenen hinzu. Holzfäller und Goldschürfer bringen den Krankheitserreger mit, vor dem sich die in engen Gemeinschaften lebenden Menschen kaum schützen können. Darum ziehen sich immer mehr Völker aus Angst vor Ansteckungen in den Wald zurück und überlassen damit den Regenwald-Zerstörern das Feld.

Was fordern die Supermarktketten in dem offenen Brief?

In einem offenen Brief zeigt sich eine Vielzahl von Unternehmen besorgt über das Gesetz von Brasiliens Präsident Bolsonaro, mit dem er Landraub legalisieren will. Sie möchten, dass nachhaltig gewirtschaftet wird und der Amazonas-Regenwald erhalten bleibt. Sie drohen mit einem Boykott brasilianischer Produkte, sollte das Gesetz in Kraft treten. Zu den Unterzeichnern gehören neben allen großen britischen Supermarktketten auch die Rewe-Gruppe und Aldi Süd. Die anderen großen deutschen Supermarktketten Aldi Nord, Edeka und Lidl haben bislang nicht unterzeichnet.

Warum adressieren wir Aldi Nord, Edeka und Lidl?

In Deutschland dominieren fünf Supermarktketten den Markt – zusammen kommen sie auf insgesamt rund 70 Prozent Marktanteil. Das sind Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Lidl und Rewe. Aldi Süd und Rewe haben sich dem offenen Brief mit der Boykott-Drohung bereits angeschlossen, die anderen drei Konzerne bisher nicht.

Kann man politischen Druck ausüben?

Diplomatie ist schwierig, wenn auf der anderen Seite ein rechtsradikaler Populist wie Jair Bolsonaro sitzt. Darum versuchen wir in diesem Fall, wirtschaftlichen Druck zu machen. In der Vergangenheit hat das schon funktioniert. So waren es Sanktionsdrohungen aus Europa, die Bolsonaro zu einem ernsthaften Einsatz gegen die Regenwald-Brände 2019 bewogen haben.  

Welche Auswirkungen hat das Mercosur-Abkommen für den Regenwald?

Das Mercosur-Abkommen ist ein Handelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Das Abkommen wurde 2019 geschlossen, ist aber noch nicht in Kraft. Wenn es in Kraft tritt, wird der Export von brasilianischen Agrarprodukten nach Europa noch weiter steigen. Dadurch droht weiteren Regenwald-Flächen die Vernichtung.
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