Corona: Dritte Welle verhindern

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Wir hätten die zweite Corona-Welle verhindern können – Virolog*innen hatten sie schließlich schon vor Monaten vorausgesagt. Doch anstatt sich bereits im Sommer rechtzeitig vorzubereiten, stritten Bund und Länder über Zuständigkeiten und den richtigen Umgang mit der Krise. Damit es keine dritte Welle gibt, müssen die Bundesregierung und die Ministerpräsident*innen nun endlich vorausschauend handeln. 

Unterzeichnen Sie jetzt unseren offenen Brief!

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)
Ministerpräsident Markus Söder (CSU)
Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD)
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD)
Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)
Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)
Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU)
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD)
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)
Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD)
Ministerpräsident Tobias Hans (CDU)
Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU)
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU)
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke)

Corona: Die dritte Welle verhindern!

Offener Bürgerbrief an die Regierungschef*innen von Bund und Ländern

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind besorgt darüber, wie Sie in der Corona-Pandemie agieren. Oft handeln Sie nicht früh und vorausschauend genug – sondern erst dann, wenn das Virus Ihnen keine Wahl mehr lässt. Dabei ignorieren Sie wichtige Erfahrungen, die andere Länder machen oder bereits gemacht haben. Und Zank um Zuständigkeit oder die eigene Profilierung scheinen oft wichtiger zu sein, als konstruktiv zu diskutieren und gemeinsam zu entscheiden.


Dabei ist die Lage erschütternd: Die Mitarbeiter*innen der Intensivstationen arbeiten wegen der vielen Corona-Patient*innen längst über ihre Kräfte. Täglich sterben in Deutschland bereits durchschnittlich 200 Menschen an COVID-19 – Tendenz stark steigend. Zehn bis zwanzig Prozent der Erkrankten werden über Monate oder sogar Jahre an den Langzeitfolgen wie chronischer Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Atembeschwerden zu leiden haben. Zwar gibt es jetzt Hoffnung, was einen Impfstoff angeht. Aber klar ist auch, dass es noch Monate dauern kann, bis er flächendeckend hilft.

Das heißt: In diesem Winter müssen wir die Pandemie ohne die Hilfe von Impfungen begrenzen. Das gelingt nur, wenn wir dem Virus immer voraus sind. Es reicht also nicht aus, die jetzige zweite Welle durch konsequentes Eingreifen rasch zu beenden. Vielmehr erwarten wir, dass Sie parallel Pläne machen, um eine dritte Welle von vorneherein zu verhindern. Die verheerende Corona-Lage in den USA zeigt, wie bitter nötig das ist.

Das Gute: Wir können dabei auf die weltweiten Erfahrungen mit der Pandemie zurückgreifen. Wir appellieren daher an Sie, besonders die folgenden vier Punkte zu beachten:

  1. Lockerungen nur mit Augenmaß: Sobald die Infektionszahlen auf ein kontrollierbares Maß schrumpfen, kommen sofort Rufe nach schnellen und umfassenden Lockerungen auf. Das aber darf kein Anlass für politische Profilierung sein. Bitte nehmen Sie die Lockerungen behutsam, abgestimmt und zeitlich durchdacht vor. Nur so lässt sich verhindern, dass die Pandemie erneut aufkommt.  

  2. Infektketten effektiv klären: Aktuell versuchen die Gesundheitsämter, die Infektionsketten anhand der individuellen Fälle zu klären – doch das führt bei den vielen Fallzahlen in die akute Überlastung der Behörden, wie wir sehen. Japan und Südkorea konzentrieren sich deswegen darauf, die Events auszumachen, während derer sich viele angesteckt haben. Die Teilnehmer*innen müssen dann alle umgehend in Quarantäne. Diese Strategie dämmte große Ausbrüche ein und verhinderte viele Einschränkungen.

  3. Schulen sicherer machen: Es ist gut, Kindergärten und Schulen geöffnet zu lassen.  Da aber auch dort Infektionen geschehen, müssen sie in die Pandemiebekämpfung eingebunden sein. Wir bitten Sie, die Empfehlung des RKI nicht länger zu ignorieren, nach der ab einer regional hohen Inzidenz auf Unterricht in Halbklassen umzusteigen ist. Auch sollten die Schüler*innen im Unterricht Masken tragen; Klassenräume sollten umgehend mit Luftfiltern oder Abluftanlagen ausgestattet werden.

  4. Super-Spreading verhindern: Selbst, wenn sich die Lage entspannt - wir müssen das Super-Spreading unbedingt vermeiden. Mehr als eine gute Hand voll Menschen ohne Maske in einem Raum – und es kann wieder losgehen. Bitte sorgen Sie dafür, dass große Familienfeiern, Partys, Feste und ähnliche Events tabu sind, bis flächendeckend geimpft wird.

Corona können wir besiegen – aber nur gemeinsam. Wir als Bürger*innen sind weiterhin bereit, unseren Anteil zu leisten. Von Ihnen erwarten wir, dass Sie entschieden und vorausschauend handeln und dabei aus Fehlern lernen.

5-Min-Info Corona: Dritte Welle verhindern

Schützt uns nicht der Impfstoff vor einer dritten Welle?

Ende Dezember konnten die ersten Menschen in Deutschland geimpft werden. Neben dem ersten zugelassenen Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer, ist auch der Impfstoff der Firma Moderna seit Januar in Deutschland zugelassen. Deutschland hat ausreichend Impfstoff bestellt, doch Produktion, Auslieferung und Verabreichung werden Monate dauern. Zumindest im ersten Halbjahr 2021 wird die Pandemie also weiterhin nur durch Hygieneregeln, Kontakteinschränkungen sowie Test- und Nachverfolgungsstrategien einzudämmen sein. Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen und einen dritten, massiven Ausbruch des Coronavirus verhindern wollen, brauchen strenge wir Regelungen.

Gibt es wirklich wieder mehr Corona-Fälle oder wird nur mehr getestet?

Die Corona-Neuinfektionen sind in den letzten Wochen stark angestiegen: Es gibt deutlich mehr positive Testergebnisse – bei gleichzeitig weniger Tests insgesamt. Auch andere Daten belegen die steigenden Infektionszahlen: Es werden wieder mehr infizierte Personen in Krankenhäuser eingeliefert, die Zahl der Covid-Intensivpatient*innen steigt, und aktuell sterben deutlich mehr Menschen an Corona wie auf dem Höhepunkt der ersten Welle im April 2020. Wir stecken also mitten in der zweiten Welle – und Expert*innen warnen bereits jetzt vor einer möglichen dritten Welle, wenn wir nicht frühzeitig die richtigen Gegenmaßnahmen ergreifen.

Hat Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern die Corona-Krise bislang nicht besser überstanden?

Nur bedingt. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist Deutschland zwar verhältnismäßig gut durch die erste Welle gekommen. Allerdings nur, weil das Virus bei uns später ausgebrochen ist, wir den Verlauf in anderen Ländern beobachten und so schnell reagieren konnten. Doch im Sommer haben wir viel Zeit verloren, weil kaum Vorbereitungen für den Herbst getroffen wurden. Die zweite Welle ließ sich nicht mehr verhindern. Im Vergleich zu Ländern gerade in Asien schneidet die Bundesrepublik schon jetzt sehr schlecht in der Corona-Bekämpfung ab. Vietnam, Japan, Südkorea, Singapur oder Thailand scheinen das Virus de facto besiegt zu haben. Von den Strategien dieser Länder sollte Deutschland unbedingt lernen. Dazu gehören eine klügere Kontaktverfolgung bei Infizierten, die strenge Einhaltung von Hygieneregeln, konsequente Quarantäne, flächendeckende Tests und vor allem eines: schnelles Handeln.

Unterstützt die Bevölkerung stärkere Schutzmaßnahmen?

Ja, knapp 80 Prozent der Menschen in Deutschland sind dafür, die Corona-Maßnahmen beizubehalten oder sogar zu verschärfen. Nur eine Minderheit findet, dass die Regelungen zu weit gehen. Diese Minderheit tritt jedoch teilweise sehr laut auf. Hinzu kommt: Die Corona-Proteste werden von organisierten Rechtsextremen unterlaufen und von Rechtspopulisten genutzt, um ihre antidemokratische Ideologie zu verbreiten.

Wie kann eine vorausschauende Corona-Politik aussehen?

Eine vorausschauende Corona-Politik schützt vor allem die Risikogruppen in der Gesellschaft, zum Beispiel ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Unterstützung brauchen aber auch andere gesellschaftliche Gruppen, die von den Corona-Maßnahmen betroffen sind: Dazu gehören etwa Künstler*innen und Solo-Selbstständige, deren Einkommen gefährdet ist; Geflüchtete und Obdachlose, die in Massenunterkünften auf engstem Raum leben müssen; oder auch Frauen und Kinder, die stärker häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.

Was bedeuten eine Maskenpflicht im Unterricht und geteilte Klassen in den Schulen?

Die rasant steigenden Fallzahlen haben dazu geführt, dass Präsenzunterricht nicht mehr möglich war. Wenn die Situation es wieder zulässt, müssen Schüler*innen wieder in die Schule gehen – aber mit wirksamen Schutzmaßnahmen. Eine Maskenpflicht im Unterricht würde Schulen sicherer machen. Ganz wichtig: Masken sind für Kinder nicht gesundheitsgefährdend, sondern schützen sie und ihre Schulfreund*innen vor einer Ansteckung mit Corona. Im Zusammenspiel mit geteilten Klassen können sie dazu beitragen, den Schulbetrieb wieder aufzunehmen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt Kindern Tipps, wie sie Masken richtig tragen – und hilft Erwachsenen, sie dabei zu unterstützen.

Warum sollten die Gesundheitsämter ihre Fallverfolgungs-Strategie ändern?

Das Coronavirus verbreitet sich vor allem durch sogenannte Superspreader-Events. Das bedeutet, dass wenige Infizierte bei einem Ereignis viele andere anstecken. Expert*innen schätzen, dass gerade einmal 10 bis 20 Prozent der Infizierten für mehr als 80 Prozent der Infektionsfälle verantwortlich sind. Diese Infektionscluster entstehen vor allem dort, wo sich viele Menschen längere Zeit in einem engen oder geschlossenen Raum aufhalten. Die jetzige Strategie der Nachverfolgung von Einzelfällen ist ineffektiv: Die Gesundheitsämter sind überlastet und kommen vielfach mit der Verfolgung einzelner Kontakte nicht hinterher. Stattdessen sollten sie abfragen, wo sich die infizierte Person in einer Situation mit vielen Menschen aufgehalten hat und dann diese möglichen Corona-Fälle aufspüren. So könnten schnell viele potenziell infizierte Personen identifiziert und gewarnt werden – und viele neue Infektionsketten unterbrochen werden. Länder wie Japan und Südkorea haben die Corona-Pandemie weitestgehend in den Griff bekommen, auch weil sie sich auf diese sogenannte Rückwärts- oder Cluster-Fallverfolgung konzentriert haben.

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