Konzernklagen stoppen!

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Für Konzerne gelten absurde Sonderrechte: Sie können Staaten vor Sondergerichten verklagen und Milliarden verlangen. Das alles wegen TTIP, CETA und Co. Mit der Europawahl kann sich das endlich ändern. Sie ist unsere Chance, Sonderrechte für Konzerne aus neuen Handelsabkommen zu streichen - und alte Abkommen zu kündigen.

Bitte unterzeichnen Sie jetzt unseren Appell gegen Konzernklagen!

An den Präsidenten der Europäischen Kommission,
die EU-Ratspräsidentschaft,
Vertreterinnen und Vertreter der EU-Mitgliedstaaten und
Mitglieder des Europäischen Parlaments

Die heutigen Handels- und Investitionsabkommen geben Konzernen weitreichende Sonderrechte und Zugang zu einer Paralleljustiz, um diese Rechte durchzusetzen. Wir fordern die EU und ihre Mitgliedstaaten dazu auf, diese Privilegien durch den Austritt aus bestehenden Handels- und Investitionsabkommen zu beenden und zukünftig keine Abkommen mit Sonderklagerechten mehr abzuschließen.

Außerdem fordern wir die EU und ihre Mitgliedstaaten dazu auf, sich für das vorgeschlagene UN-Abkommen einzusetzen, das Konzerne für Menschenrechtsverstöße zur Rechenschaft zieht und damit ihre Straflosigkeit beendet. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen Konzerne gesetzlich verpflichten, in Auslandsgeschäften die Menschenrechte sowie Umwelt- und Sozialstandards zu achten. Betroffene von Menschenrechtsverstößen durch Konzerne müssen Zugang zu Gerichten haben.

5-Minuten-Info

Warum gibt es Konzernklagen?

TTIP, CETA, TiSA – viele Handelsabkommen enthalten Kapitel zum Investitionsschutz. Dahinter verbergen sich Klagemöglichkeit für Konzerne, um ihre Investitionen zu schützen. Das Klagerecht wurde ursprünglich eingeführt, um ausländische Unternehmen zu Investitionen in Ländern zu bewegen, die kein ausgebildetes Rechtssystem oder unsichere politische Verhältnisse haben. 

Konzerne können so vor eigene Gerichte - sogenannte private Schiedsgerichte – ziehen, anstatt die nationale Justiz anrufen zu müssen. 

Das erste Handelsabkommen mit Investitionsschutz wurde 1959 zwischen Deutschland und Pakistan geschlossen. 

Wer darf wen verklagen?

Fühlt sich ein ausländischer Konzern durch Gesetze oder andere Maßnahmen des Staates benachteiligt, kann er den Staat vor einem Schiedsgericht verklagen. Dieses Gericht steht außerhalb der Justiz des Staates und ist somit von diesem unabhängig. Staaten dürfen die Investoren jedoch nicht vor diesen Gerichten verklagen.

Was sind ISDS und ICS?

Investor State Dispute Settlement (ISDS) ist das Investor-Streitschlichtungs-Verfahren, bei dem drei Anwälte zusammenkommen. Der Konzern und der Staat suchen sich je eine/n Jurist/in aus. Die dritte Anwältin oder der dritte Anwalt wird von den Parteien gemeinsam ausgesucht. Er oder sie übernimmt die Funktion des Schiedsrichters. Die Auswahlverfahren finden im Geheimen statt. Die Ergebnisse des Verfahrens müssen nicht veröffentlicht werden. Eine Möglichkeit, das Urteil anzufechten, gibt es nicht.

Das Investment Court System (ICS) sieht aus wie ein Gericht, erfüllt die Anforderungen aber nur bedingt. Beim ICS entscheiden Expert/innen, die pro Fall bezahlt werden. Da nur Konzerne Klagen einreichen können, ist die Gefahr der Parteilichkeit sehr groß. Verliert der Staat, zahlen die Bürger/innen mit ihren Steuergeldern.

Wie unterscheiden sich ISDS und ICS?

ISDS, das Investor-Streitschlichtungs-Verfahren, gibt es schon seit den 1960er Jahren und ist in hunderten Abkommen verankert. Das Investment Court System (ICS) ist eine Weiterentwicklung des ISDS. ICS wurde bei CETA erstmalig angewendet. 

Wie oft klagen Konzerne vor privaten Schiedsgerichten?

Weltweit sind Hunderte Konzernklagen vor privaten Schiedsgerichten bekannt. In den letzten Jahren ist die Zahl der Klagen sprunghaft angestiegen. 

Konzerne verklagen Staaten auf Millionensummen, weil sie ihr Meer sauber halten (Italien), Giftmüllanlagen verhindern (Mexiko) oder sauberes Trinkwasser sichern wollen (El Salvador). Dabei ist es gängige Praxis, Firmenstrukturen so auszurichten, dass Staaten möglichst aussichtsreich verklagt werden können. Staaten verklagen ist ein Milliardengeschäft. 

Wurde Deutschland bereits verklagt?

Deutschland wurde bisher zweimal von Vattenfall verklagt. Der schwedische Energiekonzern erstritt 2009, dass Umweltauflagen für das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg zurückgenommen werden mussten. Das Verfahren endete 2010 mit einer außergerlichten Einigung. 

Zur Zeit verlangt der Konzern von Deutschland 4,4 Milliarden Euro Entschädigung für den Atomausstieg. Doch auch schon vor einem Urteil kann eine Klage teuer werden. Der Prozess hat Deutschland bislang 16 Millionen Euro gekostet.

Welche Alternative zu Konzernklagen gibt es?

Jedem ausländischen Unternehmen stehen die gleichen nationalen Rechtswege offen, die auch den inländischen Firmen zur Verfügung stehen. Bei Verträgen zwischen Staaten mit einem entwickelten Rechtssystem sind diese vollkommen angemessen, um eventuelle Ansprüche geltend zu machen. Eine Paralleljustiz ist überflüssig

Hat der Staat kein entwickeltes Rechtssystem, wäre ein Gerichtshof unter dem Dach der Welthandelsorganisation die bessere Lösung. Bei diesem Gerichtshof mit Berufsrichter/innen müssten dann aber auch Bürger/innen Konzerne verklagen können, wenn sie gegen Gesetze verstoßen.

Wie können Konzerne für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen werden?

Gerade verhandeln die Vereinten Nationen an einem völkerrechtlich bindenden Vertrag für Wirtschaft und Menschenrechte. Dieser soll es möglich machen, transnationale Konzerne direkt für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen. 

Ziel ist, dass in allen internationalen Abkommen soziale und ökologische Mindeststandards gesichert sind. Bislang blockieren jedoch viele EU-Staaten das Vorankommen der Verhandlungen - sie fürchten Nachteile für Großkonzerne aus ihren Staaten. 

Was hat die Europawahl mit Konzernklagen zu tun?

Im Mai 2019 werden ein neues EU-Parlament und ein neuer EU-Kommissionspräsident gewählt. Als eine der mächtigsten Personen der EU kann der Kommissionspräsident die Richtung der Politik maßgeblich gestalten - auch der Handelspolitik. Der aktuelle Präsident Jean-Claude Juncker lässt den Großkonzernen freie Hand. Der Wechsel an der EU-Spitze ermöglicht daher eine Neuausrichtung. 

Die Kritik an der Schiedsgerichtsbarkeit für Konzerne ist seit TTIP immer größer geworden ist. Auch der Europäische Gerichtshof sieht Schiedsgerichte kritisch. Nach der Europawahl könnte nun auch der Investitionsschutz neu gestaltet werden.

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